Baudelaire + Raben

Der freudige Tote

Schwer soll der Grund und reich an Schnecken sein,

Wo meine Gruft zu schaufeln ich begehre,

Daß dort zum Schlaf sich streckt mein alterndes Gebein

Und im Vergessen ruht gleich wie der Hai im Meere.

-

Ich hasse Testamente, Grab und Stein,

Und von der Welt erbettl ich keine Zähre;

Nein, lieber lüde ich den Schwarm der Raben ein,

Damit er stückweis mein verwesend Aas verzehre.

-

O Würmer! Schwarz Geleit ohn Auge, ohne Ohr!

Ein Abgeschiedner kommt, der froh den Tod erkor.

Ihr Söhne des Zerfalls, die dem Genusse leben,

Durch meine Trümmer kriecht mit reuelosem Mut

-

Und sagt mir: kann es wohl noch eine Folter geben

Für den entseelten Leib, der tot bei Toten ruht?

(aus dem Französischen von Wolf von Kalckreuth)

Die gelungenste Übersetzung wie ich finde

6 Kommentare

Eingeordnet unter Raben, Stundenbuch

6 Antworten zu Baudelaire + Raben

  1. Sabine

    Der Sohn des Zerfalls kreist genussvoll mit seinem Geleit im Synchronflug über dem Cimetière Montparnasse (so als erster Gedanke).

  2. soloezist

    Ein freudiger Gedanke…

  3. ko

    Mein erster Baudelaire (schäm) …
    Die Skizze geht so schaurig schön durch Mark und Bein.

  4. dernorman

    sehr gruseliges skizzelein

  5. soloezist

    Herr ko, schön Sie hier zu sehen.
    Auf ein dezentrales, liebenswerteres, “trolliges” kn…
    .°)))

    @dernorman
    Knix für Schrieb und blogroll
    Kindest regards
    soloezist

  6. weltempfänger

    auch das selbst war stets voller freude nach den tagen seines todes. ja.
    es ist eine sehr gelungene übersetzung ! dieses selbst beim lesen dacht.
    greeting from o=halbacht. .°)

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